Schema therapy
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Schematherapie nach Jeffrey Young: Schemata, Modi, Inneres-Kind-Konzept und Bewaeltigungsstile — psychoedukativ vermittelt.
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Schematherapie
Grundlagen der Schematherapie nach Jeffrey Young: Schemata, Modi, Inneres-Kind-Konzept und Bewaeltigungsstile — psychoedukativ vermittelt
Siehe: ETHICS.md
Kontext
Die Schematherapie wurde von Jeffrey E. Young ab den 1990er-Jahren als Erweiterung der kognitiven Verhaltenstherapie entwickelt. Sie integriert Elemente aus KVT, Bindungstheorie, Gestalttherapie und psychodynamischen Ansaetzen.
Evidenz: Die Schematherapie ist empirisch gut belegt, insbesondere fuer Persoenlichkeitsstoerungen (Giesen-Bloo et al. 2006, Masley et al. 2012). In Deutschland ist sie als Methode innerhalb der Verhaltenstherapie anerkannt.
Hinweis: Dies ist Psychoedukation, kein Ersatz fuer professionelle Therapie. Niemals implementieren: EMDR, Prolonged Exposure (PE), Narrative Exposure Therapy (NET)
1. Fruehe maladaptive Schemata
Prinzip
Schemata sind tief verwurzelte emotionale und kognitive Muster, die in der Kindheit durch unerfuellte Grundbeduerfnisse entstehen. Sie beeinflussen, wie wir die Welt, uns selbst und andere wahrnehmen.
Die fuenf Grundbeduerfnisse (nach Young)
| Grundbeduerfnis | Wenn unerfuellt, entstehen z.B. |
|---|---|
| Sichere Bindung | Verlassenheit, Misstrauen |
| Autonomie & Kompetenz | Abhaengigkeit, Versagensangst |
| Realistische Grenzen | Anspruchshaltung, mangelnde Selbstkontrolle |
| Freier Ausdruck von Beduerfnissen | Unterwerfung, Aufopferung |
| Spontanitaet & Spiel | Uebertriebene Standards, Bestrafungsneigung |
Die 18 Schemata — Ueberblick (5 Domaenen)
Domaene 1: Abgetrenntheit und Ablehnung
- Verlassenheit / Instabilitaet
- Misstrauen / Missbrauch
- Emotionale Entbehrung
- Unzulaenglichkeit / Scham
- Soziale Isolation
Domaene 2: Beeintraechtigte Autonomie
- Abhaengigkeit / Inkompetenz
- Verletzbarkeit
- Verstrickung / Unentwickeltes Selbst
- Versagen
Domaene 3: Beeintraechtigte Grenzen
- Anspruchshaltung / Grandiosiaet
- Unzureichende Selbstkontrolle
Domaene 4: Fremdbestimmtheit
- Unterwerfung
- Aufopferung
- Streben nach Anerkennung
Domaene 5: Uebermaessige Wachsamkeit
- Negativitaet / Pessimismus
- Emotionale Gehemmtheit
- Uebertriebene Standards
- Bestrafungsneigung
Reflexionsfragen zur Schema-Erkennung
- "Welche Ueberzeugungen ueber dich selbst tauchen immer wieder auf?"
- "In welchen Situationen reagierst du besonders stark emotional?"
- "Erkennst du Muster, die sich in verschiedenen Beziehungen wiederholen?"
- "Welche Beduerfnisse kamen in deiner Kindheit moeglicherweise zu kurz?"
2. Das Modi-Modell
Prinzip
Modi sind momentane emotionale Zustaende, die durch Schemata aktiviert werden. Das Modi-Modell hilft, verschiedene "innere Anteile" zu verstehen und einzuordnen.
Die vier Modi-Kategorien
Kind-Modi:
- Verletztes Kind: Fuehlt sich traurig, einsam, aengstlich, ueberwaeltigt
- Aergerliches Kind: Wuetend ueber unerfuellte Beduerfnisse
- Impulsives Kind: Handelt unueberlegt, will sofortige Befriedigung
- Glueckliches Kind: Fuehlt sich sicher, geliebt, spontan
Maladaptive Eltern-Modi:
- Strafender Elternmodus: Innere Stimme, die kritisiert, bestraft, abwertet
- Fordernder Elternmodus: Innere Stimme, die Perfektion und Leistung verlangt
Maladaptive Bewaeltigungsmodi:
- Unterwerfung / Erduldung: Gibt nach, passt sich uebertrieben an
- Vermeidung: Betaeubt Gefuehle, zieht sich zurueck, lenkt ab
- Ueberkompensation: Dominiert, kontrolliert, greift an
Gesunder Erwachsener:
- Kann Beduerfnisse wahrnehmen und angemessen erfuellen
- Setzt gesunde Grenzen
- Troestet und beruhigt das verletzte Kind
- Begrenzt uebertriebene Eltern-Modi
Uebung: Modi im Alltag erkennen
Situation: ______________
Welchen Modus spuere ich gerade?
[ ] Verletztes Kind — "Ich fuehle mich klein und hilflos"
[ ] Aergerliches Kind — "Das ist unfair!"
[ ] Strafender Elternmodus — "Du bist nicht gut genug"
[ ] Fordernder Elternmodus — "Du musst mehr leisten"
[ ] Vermeidung — "Ich will nicht darueber nachdenken"
[ ] Ueberkompensation — "Ich zeig's denen"
[ ] Gesunder Erwachsener — "Was brauche ich jetzt wirklich?"
3. Inneres-Kind-Arbeit (psychoedukativ)
Prinzip
Die Innere-Kind-Arbeit in der Schematherapie zielt darauf ab, eine fuersorgliche innere Haltung gegenueber den eigenen verletzten Anteilen zu entwickeln.
ACHTUNG: Tiefgehende Innere-Kind-Arbeit gehoert in professionelle therapeutische Begleitung.
Reflexionsuebung: Brief an das innere Kind
Schreibe einen kurzen Brief an dein juengeres Ich:
1. Was haettest du damals gebraucht?
2. Was wuerdest du dem Kind heute sagen?
3. Welchen Trost wuerdest du anbieten?
Reflexionsfragen
- "Wenn du an die Situation denkst — wie alt fuehlst du dich innerlich?"
- "Was haette ein fuersorglicher Erwachsener damals zu dir gesagt?"
- "Welche Beduerfnisse des Kindes in dir kommen gerade zu kurz?"
4. Bewaeltigungsstile verstehen
Die drei Grundmuster
| Bewaeltigungsstil | Strategie | Beispiel |
|---|---|---|
| Erduldung | Schema akzeptieren, sich fuegen | "So bin ich eben, ich kann nichts aendern" |
| Vermeidung | Schema nicht fuehlen wollen | Ablenkung, Substanzkonsum, Ueberarbeitung |
| Ueberkompensation | Gegenteil des Schemas leben | Perfektionismus statt Versagensgefuehl |
Reflexionsfragen
- "Wenn du unter Druck geraetst — neigst du eher dazu, dich zu fuegen, zu fliehen oder zu kaempfen?"
- "Welche deiner Gewohnheiten koennten Vermeidungsstrategien sein?"
- "Gibt es Bereiche, in denen du das Gegenteil von dem machst, was du eigentlich fuehlst?"
Ethik und Grenzen
Ein KI-Assistent darf:
- Schemata und Modi als Konzepte erklaeren
- Reflexionsfragen stellen zur Selbsterkundung
- Bewaeltigungsstile als Psychoedukation vorstellen
- Innere-Kind-Reflexionsuebungen anleiten (einfache, schriftliche)
Ein KI-Assistent darf NICHT:
- Schemata diagnostizieren oder zuschreiben
- Stuhlarbeit oder erlebnisaktivierende Uebungen durchfuehren
- Reparenting (Nachbeelterung) anbieten
- Traumatische Kindheitserfahrungen bearbeiten
- Schema-Modi-Therapie ersetzen
Bei Anzeichen akuter Krise IMMER verweisen auf:
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222
- Psychiatrischer Notdienst: 112
- Krisenchat: krisenchat.de
Quellenangaben
- Young, J. E., Klosko, J. S. & Weishaar, M. E. (2003). Schema Therapy: A Practitioner's Guide. Guilford Press.
- Giesen-Bloo, J. et al. (2006). Outpatient Psychotherapy for Borderline Personality Disorder. Archives of General Psychiatry, 63(6), 649-658.
- Roediger, E. (2011). Praxis der Schematherapie. Schattauer.
Portiert aus BACH v3.8.0 | Standalone-Version Quellen: Young et al. (2003), Giesen-Bloo et al. (2006), Roediger (2011) — Keine professionelle Therapie