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Acceptance & Commitment Therapy (ACT) nach Steven Hayes: Hexaflex-Modell mit den sechs Kernprozessen psychischer Flexibilitaet.

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ACT-Techniken -- Acceptance & Commitment Therapy

Grundlage

Die Acceptance & Commitment Therapy (ACT, gesprochen als Wort "act") wurde von Steven C. Hayes entwickelt und gehoert zur dritten Welle der Verhaltenstherapie. ACT zielt nicht auf Symptomreduktion, sondern auf psychische Flexibilitaet -- die Faehigkeit, im gegenwaertigen Moment offen und bewusst zu handeln, geleitet von persoenlichen Werten.

Kernaussage: Nicht der Schmerz ist das Problem, sondern der Kampf gegen den Schmerz.


Das Hexaflex-Modell

Das Hexaflex ist das zentrale Modell der ACT. Sechs Kernprozesse bilden zusammen psychische Flexibilitaet. Jeder Prozess ist das Gegenstueck zu einem pathologischen Prozess (psychische Inflexibilitaet).

                    Gegenwaertigkeit
                         /    \
                        /      \
              Akzeptanz          Selbst-als-Kontext
                |    \          /    |
                |  PSYCHISCHE  |
                | FLEXIBILITAET|
                |  /          \     |
              Defusion          Werte
                        \      /
                         \    /
                    Engagiertes Handeln

Flexibilitaet vs. Inflexibilitaet

Kernprozess (flexibel)Gegenpol (inflexibel)
AkzeptanzErlebnisvermeidung
Kognitive DefusionKognitive Fusion
GegenwaertigkeitVergangenheits-/Zukunftsfokus
Selbst-als-KontextKonzeptualisiertes Selbst
WerteMangelnde Werteklaerung
Engagiertes HandelnUntaetigkeit/Impulsivitaet

Die sechs Kernprozesse

1. Akzeptanz

Definition: Bereitschaft, innere Erlebnisse (Gefuehle, Gedanken, Koerperempfindungen) zuzulassen, ohne sie zu veraendern, zu vermeiden oder zu kontrollieren.

Wichtig: Akzeptanz ist NICHT Resignation. Es ist eine aktive, bewusste Entscheidung, dem Erleben Raum zu geben.

Techniken

  • Bereitschaftsskala (0-10): "Wie bereit bist du gerade, dieses Gefuehl einfach da sein zu lassen?"
  • Expansion: Das Gefuehl im Koerper lokalisieren, ihm Form/Farbe/Textur geben, es "atmen lassen"
  • Kampf-Schalter-Metapher: Es gibt einen Schalter in uns -- nicht fuer Schmerz, sondern fuer den Kampf gegen Schmerz. Akzeptanz bedeutet, den Kampf-Schalter umzulegen.

Metapher: Treibsand

Wenn du in Treibsand geraten bist, ist der natuerliche Instinkt zu kaempfen, sich zu wehren, zu strampeln. Aber genau das zieht dich tiefer hinein. Das einzig Hilfreiche: Sich flach hinlegen, die Oberflaeche vergroessern, den Kontakt mit dem Treibsand akzeptieren. Nicht weil Treibsand toll ist -- sondern weil der Kampf dagegen das eigentliche Problem ist.


2. Kognitive Defusion

Definition: Sich von Gedanken loesen -- sie als das sehen, was sie sind: mentale Ereignisse, nicht die Realitaet selbst. Statt "Ich bin wertlos" -> "Ich habe den Gedanken, dass ich wertlos bin."

Techniken

  • "Ich habe den Gedanken, dass..." -- Gedanken sprachlich distanzieren
  • "Danke, Verstand!" -- Den Verstand als ueberaktiven Berater anerkennen, ohne ihm zu gehorchen
  • Gedanken singen: Den belastenden Gedanken auf die Melodie von "Happy Birthday" singen (verringert die Glaubwuerdigkeit)
  • Gedanken auf Blaetter: Sich einen Bach vorstellen. Jeden Gedanken auf ein Blatt legen und vorbeitreiben lassen
  • Passagier-Benennung: Dem inneren Kritiker einen Namen geben ("Ah, da ist wieder der Perfektionist-Peter")
  • Wiederholungsuebung: Ein belastendes Wort 30 Sekunden schnell wiederholen -- es verliert seine emotionale Ladung

Metapher: Der ungebetene Gast

Stell dir vor, du gibst eine Party und ein ungebetener Gast kommt. Du hast drei Moeglichkeiten: (1) Du wirfst ihn raus -- aber er kommt immer wieder und macht Laerm. (2) Du laesst ihn rein und verbringst den ganzen Abend damit, ihn zu ueberwachen -- dann verpasst du deine eigene Party. (3) Du laesst ihn rein, nimmst zur Kenntnis dass er da ist, und feierst weiter deine Party. Option 3 ist Defusion.


3. Gegenwaertigkeit (Kontakt mit dem gegenwaertigen Moment)

Definition: Bewusste, nicht-wertende Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt. Weder in der Vergangenheit gruebelnd noch in der Zukunft sorgend.

Techniken

  • 5-4-3-2-1 Uebung: Sensorisches Grounding (ausfuehrliche Anleitung: stabilization-techniques)
  • Atemachtsamkeit: 3 bewusste Atemzuege -- nur beobachten, nicht steuern (vertieft: mindfulness-basics)
  • Sensorisches Ankern: Einen Gegenstand mit voller Aufmerksamkeit erforschen (Textur, Gewicht, Temperatur)
  • Check-in-Fragen: "Was passiert gerade in meinem Koerper? Was fuer Gedanken sind da? Was fuer Gefuehle?"

4. Selbst-als-Kontext (Beobachtendes Selbst)

Definition: Unterscheidung zwischen dem Selbst als Inhalt ("Ich BIN aengstlich") und dem Selbst als Kontext ("Ich BEMERKE Angst"). Das beobachtende Selbst ist der Raum, in dem alle Erlebnisse stattfinden -- aber es ist nicht diese Erlebnisse.

Techniken

  • Himmels-Metapher: "Du bist der Himmel, nicht das Wetter. Wolken, Stuerme, Sonnenschein -- alles zieht vorbei. Aber der Himmel ist immer da."
  • Schachbrett-Metapher: "Du bist nicht die weissen oder schwarzen Figuren. Du bist das Brett, auf dem das Spiel stattfindet."
  • Beobachter-Uebung: Augen schliessen. Gedanken beobachten. Gefuehle beobachten. Koerperempfindungen beobachten. Dann: "Wer ist es, der all das beobachtet?"
  • Perspektiv-Uebungen: "Wenn dein 80-jaehriges Selbst auf diese Situation zurueckblicken wuerde -- was wuerde es sagen?"

5. Werte

Definition: Frei gewaehlte Richtungen des Lebens. Werte sind keine Ziele (die man erreichen kann), sondern Kompassrichtungen (denen man folgt). Man "erreicht" niemals den Wert "liebevoller Partner sein" -- man lebt ihn, Moment fuer Moment.

Werteklaerung -- Lebensbereiche

LebensbereichLeitfrage
BeziehungenWas fuer ein Partner/Freund/Familienmitglied moechte ich sein?
Arbeit/BerufWas macht Arbeit fuer mich bedeutsam?
Persoenliches WachstumIn welche Richtung moechte ich mich entwickeln?
GesundheitWie moechte ich mit meinem Koerper umgehen?
Freizeit/ErholungWas naehrt mich wirklich?
SpiritualitaetWas gibt meinem Leben tieferen Sinn?
GemeinschaftWas moechte ich zur Welt beitragen?

Techniken

  • Grabstein-Uebung: "Was soll auf deinem Grabstein stehen? Nicht was du erreicht hast, sondern wofuer du gestanden hast."
  • Kompass-Uebung: Fuer jeden Lebensbereich eine Richtung bestimmen und auf einer Skala von 1-10 bewerten: "Wie wichtig ist mir das?" und "Wie sehr lebe ich das gerade?"
  • Suesse-Stelle-des-Schmerzes: "Hinter jedem Schmerz steckt ein Wert. Wer nicht liebt, kann nicht verletzt werden. Dass es wehtut, zeigt, dass dir etwas wichtig ist."

6. Engagiertes Handeln

Definition: Konkrete Handlungen, die mit den eigenen Werten uebereinstimmen. Nicht perfekt, nicht "wenn ich bereit bin", sondern JETZT, mit allen Schwierigkeiten.

Techniken

  • SMART-Werte-Ziele: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert -- aber immer an einen Wert gekoppelt
  • Kleinster moeglicher Schritt: "Was ist der kleinste Schritt, den du HEUTE in Richtung dieses Wertes gehen koenntest?"
  • Bereitschafts-Check: "Bist du bereit, [unangenehmes Gefuehl] mitzunehmen, wenn es auftaucht, waehrend du diesen Schritt gehst?"
  • Hindernisse einplanen: "Welche inneren Barrieren koennten auftauchen? Wie willst du mit ihnen umgehen?" (nicht: "Wie beseitigst du sie?")

Metapher: Passagiere im Bus

Du bist der Busfahrer deines Lebens. Im Bus sitzen Passagiere -- das sind deine Gedanken, Gefuehle, Erinnerungen, Koerperempfindungen. Manche sind laut, bedrohlich, haesslich. Sie schreien: "Fahr rechts! Fahr links! Halt an!" Du hast drei Moeglichkeiten:

  1. Anhalten und kaempfen: Du hoerst auf zu fahren und versuchst, die Passagiere rauszuwerfen. Aber du kommst nicht voran.
  2. Verhandeln: Du faehrst dahin, wo die Passagiere wollen. Aber es ist nicht DEINE Richtung.
  3. Weiterfahren: Du laesst die Passagiere schreien, nimmst sie mit -- und faehrst trotzdem in DEINE Richtung. Die Passagiere duerfen da sein. Aber SIE bestimmen nicht die Route.

Engagiertes Handeln bedeutet: Den Bus in Richtung deiner Werte zu fahren, egal welche Passagiere mitfahren.


Anwendungsbereiche

ACT ist evidenzbasiert wirksam bei:

  • Depression und Angststoerungen
  • Chronische Schmerzen
  • Suchterkrankungen
  • Essstoerungen
  • Burnout und Stress am Arbeitsplatz
  • Trauma und PTBS (ergaenzend)
  • Psychotische Stoerungen (ergaenzend)

Wann welchen Prozess ansprechen?

Situation des NutzersPrimaerer ACT-Prozess
Vermeidet bestimmte Gefuehle/SituationenAkzeptanz
Ist in Gruebeln/Sorgen gefangenDefusion
Lebt im Autopilot, dissoziiertGegenwaertigkeit
Definiert sich ueber Probleme ("Ich BIN...")Selbst-als-Kontext
Fuehlt sich orientierungslos, sinnlosWerte
Weiss was wichtig ist, handelt aber nichtEngagiertes Handeln

Ethische Leitlinien

Ein KI-Assistent darf ACT-Techniken psychoedukativ erklaeren und Uebungen anleiten.

Ein KI-Assistent darf NICHT:

  • Diagnosen stellen
  • Eine therapeutische Beziehung simulieren
  • Bei akuter Suizidalitaet allein handeln -- Verweis an professionelle Hilfe
  • ACT als Ersatz fuer Psychotherapie darstellen

Siehe: ETHICS.md


Quellenangaben

  • Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (2012). Acceptance and Commitment Therapy: The Process and Practice of Mindful Change. 2nd Edition.
  • Harris, R. (2009). ACT Made Simple.
  • Hayes, S. C. (2005). Get Out of Your Mind and Into Your Life.

Siehe auch


Portiert aus BACH v3.8.0 | Standalone-Version

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