Deliktsrecht generalklausel
Wenn es um Deliktsrecht in Preußisches Allgemeines Landrecht geht: prüft Frist, Form, Zuständigkeit, Rechtsweg und Sofortmaßnahmen; liefert eine Fristen- und Risikoampel mit Sofortschritten. Auswahlstichwort: Deliktsrecht Generalklausel; Arbeitsfeld: Preußisches Allgemeines Landrecht.From its SKILL.md
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Deliktsrecht
Startfragen
- Welche Quelle liegt vor: Scan, OCR, PDF, Transkription, Sekundärtext, Urteil oder Aktenvermerk?
- Welches Jahr, welcher Band, welcher Teil, welcher Titel und welcher Paragraph sind sicher?
- Geht es um historische Erklärung, heutige Fortwirkung, Dogmengeschichte, Unterricht oder Schriftsatzargument?
- Welcher Ort und welches Jahr sind für den Sachverhalt maßgeblich?
- Brauchen wir einen Live-Check, weil heutiges Recht, Landesrecht oder Rechtsprechung betroffen ist?
Prüfroutine
- Textzeuge sichern: Ausgabe, Druck, Band, Seite/Scan, OCR-Fassung und Fundstelle erfassen.
- Systemstelle finden: Einleitung, Teil, Titel, Paragraph und Nachbarvorschriften bestimmen.
- Geltung trennen: historisch geltendes Recht, subsidiäre Anwendung, lokale Abweichung und heutige Fortwirkung unterscheiden.
- Begriffe entschlüsseln: alte Orthographie, ständische Begriffe und heutige Übersetzung offenlegen.
- Anachronismus prüfen: moderne Kategorien nur als Vergleich verwenden, nicht in den Normtext hineinlesen.
- Output bauen: Quellenmatrix, Kurzvermerk, Gutachtenbaustein, Unterrichtsfolie oder Schriftsatzpassage erstellen.
Meat on the Bone — Konkreter ALR-Stoff
Schlüsselparagraphen
- ALR I 6 § 1: "Wer einen anderen ohne Recht und Befugniss vorsetzlich beleidiget, ist zum Ersatze des dadurch entstandenen Schadens verpflichtet."
- ALR I 6 §§ 8 ff.: Generelle Fahrlaessigkeitshaftung.
- ALR I 6 §§ 10-12: Verschuldensstufen — dolus (Vorsatz), culpa lata (grobe Fahrlaessigkeit), culpa levis (leichte Fahrlaessigkeit), culpa levissima (allergeringste Fahrlaessigkeit).
- ALR I 6 §§ 50-92: Sonderdelikte — Beleidigung, Koerperverletzung, Sachbeschaedigung, Tierhalter.
- ALR I 6 §§ 56-58: Tierhalterhaftung — Hund, Pferd; Differenzierung Wachhund vs. Hofhund.
- ALR I 6 §§ 78-92: Beruehmt sind die kasuistischen Brieftauben- und Pferderegelungen.
Subsumtionsbeispiel: Hofhund beisst Postboten 1880
Sachverhalt: Postbote von Hofhund gebissen. ALR-Loesung: ALR I 6 §§ 56-58 — Tierhalterhaftung; bei Wachhund mit deutlichem Warnsignal Haftung gemindert; bei freilaufendem Hund volle Haftung. Schaden umfasst Heilkosten und Verdienstausfall. Heute § 833 BGB Tierhalterhaftung — strenger als ALR.
Subsumtionsbeispiel: Brieftaubendiebstahl 1850
Sachverhalt: Brieftaube fliegt ins Nachbarschloss; Nachbar faengt sie und behaelt sie. ALR-Loesung: ALR I 6 § — eigener Tatbestand für Brieftauben! Pflicht zur Rueckgabe; Schadenersatz bei verzoegerter Rueckgabe.
Heutige Fortwirkung
- § 823 Abs. 1 BGB generelle Deliktshaftung — moderner gefasst als ALR.
- § 826 BGB sittenwidrige Schaedigung.
- § 833 BGB Tierhalter.
- Verschuldensstufen in ALR-Tradition: bis heute "grobe Fahrlaessigkeit" als Aufschwellgrad für Haftungsschaerfung (z. B. § 309 Nr. 7 BGB, § 277 BGB).
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