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Trennt Untätigkeitsklage, Genehmigungsfiktion, Eilrechtsschutz und Akteneinsicht bei verzögerter Kassenentscheidung. Berechnet die richtigen Fristen, prüft zureichende Verzögerungsgründe und erstellt Sachstandsschreiben, Akteneinsichtsantrag oder Klage.From its SKILL.md

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Untätigkeitsklage, Genehmigungsfiktion und Akteneinsicht

1. Sofortstart

Ermittle aus Antrag, Eingangsbeleg, Zwischenmitteilungen, Bescheid und Widerspruch eine Verfahrenschronologie. Wähle danach das wirksamste Instrument; Untätigkeitsklage, Genehmigungsfiktion und Eilantrag haben unterschiedliche Voraussetzungen und Rechtsfolgen.

2. Rechtsrahmen

  • Paragraf 88 Absatz 1 SGG: Bescheidungsklage grundsätzlich nach sechs Monaten seit dem Antrag.
  • Paragraf 88 Absatz 2 SGG: Bescheidung des Widerspruchs grundsätzlich nach drei Monaten.
  • Paragraf 13 Absatz 3a SGB V: Entscheidung grundsätzlich binnen drei Wochen, bei eingeholter gutachtlicher Stellungnahme binnen fünf Wochen und im zahnärztlichen Gutachterverfahren binnen sechs Wochen.
  • Paragraf 86b SGG: vorläufiger Rechtsschutz bei Eilbedürftigkeit; die Wartefristen des Paragrafen 88 SGG werden dadurch nicht verkürzt.
  • Paragraf 25 SGB X: Akteneinsicht, soweit Kenntnis zur Geltendmachung oder Verteidigung rechtlicher Interessen erforderlich ist.
  • Paragraf 20 SGB X: Untersuchungsgrundsatz der Behörde.
  • Paragraf 193 SGG: gerichtliche Kostenentscheidung; keine Sonderregel aus einem nicht einschlägigen Absatz unterstellen.

3. Instrumentenwahl

ZielInstrumentKernvoraussetzung
förmliche Entscheidung erzwingenUntätigkeitsklagesechs Monate ab Antrag oder drei Monate ab Widerspruch ohne zureichenden Grund
erforderliche Leistung nach Fristablauf selbst beschaffenParagraf 13 Absatz 3a SGB Vbestimmter Leistungsantrag, richtige Frist, keine rechtzeitige Mitteilung eines hinreichenden Grundes
sofortige vorläufige VersorgungEilantragAnordnungsanspruch und Anordnungsgrund
Entscheidungsgrundlagen aufklärenAkteneinsichtrechtliches Interesse und hinreichend bestimmter Aktenumfang

4. Prüfprogramm

4.1 Untätigkeitsklage

  1. Zugang des Antrags oder Widerspruchs beweissicher feststellen.
  2. Sechs- beziehungsweise Dreimonatsfrist kalendarisch berechnen.
  3. Prüfen, ob ein zureichender Grund besteht und ob die Krankenkasse diesen nachvollziehbar dokumentiert. Bei zureichendem Grund kann das Gericht das Verfahren bis zu einer bestimmten Frist aussetzen.
  4. Bei medizinischer oder existenzieller Dringlichkeit nicht verfrüht nach Paragraf 88 SGG klagen, sondern zusätzlich oder vorrangig Paragraf 86b SGG prüfen.
  5. Klageziel auf Bescheidung beschränken, soweit die Sache nicht ausnahmsweise unmittelbar als Leistungsklage entscheidungsreif ist.

4.2 Genehmigungsfiktion

  1. Prüfen, ob ein hinreichend bestimmter, grundsätzlich vom Leistungssystem erfasster Antrag vorliegt.
  2. Grundfrist von drei Wochen ansetzen. Fünf Wochen gelten nur, wenn die Krankenkasse eine gutachtliche Stellungnahme, insbesondere des Medizinischen Dienstes, einholt und den Versicherten unverzüglich darüber unterrichtet.
  3. Mitteilungen über Verzögerungsgründe auf Rechtzeitigkeit, Bestimmtheit und prognostizierte Entscheidungsdauer prüfen.
  4. Rechtsfolge präzise behandeln: Ohne hinreichende Mitteilung gilt die Leistung nach Fristablauf als genehmigt; ein Kostenerstattungsanspruch setzt eine danach selbstbeschaffte erforderliche Leistung und entstandene Kosten voraus.
  5. Leistungen zur medizinischen Rehabilitation folgen für die Selbstbeschaffung dem SGB IX; die Sonderzuweisung nicht übergehen.

4.3 Akteneinsicht

  1. Vollständige Verwaltungsakte einschließlich Antragseingang, interner Vermerke, Gutachtenauftrag, Stellungnahme des Medizinischen Dienstes und Ausgangsnachweisen bezeichnen.
  2. Ausnahmen wegen berechtigter Interessen Dritter oder medizinischer Vermittlung prüfen und auf das notwendige Maß begrenzen.
  3. Bei Verweigerung die Form und Anfechtbarkeit der konkreten Entscheidung prüfen. Nicht pauschal eine gesonderte Untätigkeits- oder Feststellungsklage versprechen.
  4. Nach Akteneinsicht ein Fundstellenverzeichnis und eine Liste nicht beantworteter Ermittlungsfragen erstellen.

5. Klagegerüst

  1. Beteiligte und zuständiges Sozialgericht nach Paragraf 57 SGG bezeichnen.
  2. Antrag formulieren, die Krankenkasse zur Bescheidung des Antrags oder Widerspruchs zu verpflichten.
  3. Antragseingang, Fristablauf, Sachstandsanfragen und Zwischenmitteilungen chronologisch darstellen.
  4. Fehlenden zureichenden Grund substantiiert begründen.
  5. Eingangsbeleg, Schriftwechsel und gegebenenfalls medizinische Dringlichkeitsunterlagen als Anlagen beifügen.

6. Fehlerkontrolle

  • Die Fünfwochenfrist ist nicht der Regelfall; die Dreiwochenfrist gilt ohne Gutachten.
  • Ein besonderer Grund verkürzt die gesetzlichen Wartefristen der Untätigkeitsklage nicht. Dringlichkeit wird über Paragraf 86b SGG aufgefangen.
  • Die Genehmigungsfiktion erlaubt nicht ohne weitere Prüfung den sofortigen Behandlungsbeginn auf Kosten der Krankenkasse.
  • Den Untersuchungsgrundsatz stets Paragraf 20 SGB X zuordnen.
  • Themenfremde Hilfsmittelentscheidungen nicht als Anker für die Untätigkeitsklage verwenden.

7. Arbeitsprodukte

  • Verfahrens- und Fristenchronologie;
  • qualifizierte Sachstandsanfrage mit Entscheidungsfrist;
  • Akteneinsichtsantrag mit Aktenumfang;
  • Prüfvermerk zur Genehmigungsfiktion;
  • Untätigkeitsklage mit Anlagenverzeichnis;
  • Eilrechtsschutz-Routing bei medizinischer oder existenzieller Dringlichkeit.

8. Quellenstatus

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