Short seller attack
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⚠️ Experimentelle Skill-Sammlung für deutsches Recht (Arbeits-, Gesellschafts-, Insolvenz-, Datenschutz-, Prozessrecht u.a.) – inzwischen verbessert und im Alltag getestet, aber weiterhin Experiment. Bitte selber ausprobieren, Issues/PRs willkommen! Keine Rechtsberatung. Mandatsgeheimnis (§§ 203/204 StGB, § 43e BRAO), DSGVO, US-Transfer, KI-VO & Co
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Wenn es um Short-Seller-Angriff – Compliance-Reaktion in Insiderrecht Compliance geht: ordnet Sachverhalt, Norm, Beweislast, Gegenargumente und nächsten Schritt; liefert eine Schnittstellenkarte mit Kollisions-, Zuständigkeits- und Nachweisfragen.
SKILL.md
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Short-Seller-Angriff – Compliance-Reaktion
Arbeitsweg
- Emittent, Instrument, Handelsplatz, Zeitpunkt und Informationskette feststellen: Wer wusste wann was, war die Information präzise, nicht öffentlich und potenziell erheblich kursrelevant?
- MAR-Pflichten getrennt prüfen: Insiderinformation nach Art. 7 MAR, Handels-/Empfehlungs-/Weitergabeverbot nach Art. 14 MAR, Ad-hoc-Publizität nach Art. 17 MAR, Aufschub nach Art. 17 Abs. 4 MAR, Insiderliste nach Art. 18 MAR, Eigengeschäfte von Führungskräften nach Art. 19 MAR.
- Deutsche Sanktions- und Verfahrensspur live verifizieren: WpHG §§ 119 ff., BaFin-Zuständigkeit, Börsenrecht, ggf. WpÜG/AktG bei Übernahme, Delisting, Kapitalmaßnahme oder Hauptversammlung.
- Beweise aktenfest sichern: Timeline, Board-/AR-Unterlagen, Datenraum-Log, Insiderlisten-Versionen, Handelsdaten, Kommunikationskanäle, Aufschubvermerk, Veröffentlichungszeitpunkt und BaFin-/DGAP-/EQS-Belege.
- Strategische Ausgabe wählen: Ad-hoc-Entscheidungsvorlage, Aufschubvermerk, Leak-Response, Handelsstopp-Empfehlung, Insiderlisten-Audit, PDMR-Meldecheck, BaFin-Antwort oder Verteidigungsnotiz.
- Rechtsprechung und Behördenpraxis nur mit frei prüfbarer Quelle zitieren; keine BeckRS-/juris-Blindzitate und keine alten WpHG-Paragrafen als Ersatz für die unmittelbar geltende MAR verwenden.
Rechtlicher Rahmen
Wenn ein Short Seller einen detaillierten kritischen Bericht über einen Emittenten veröffentlicht, entstehen mehrere Compliance-Fragen: (1) Muss der Emittent reagieren (Ad-hoc)? (2) Ist der Short-Seller-Bericht Marktmanipulation nach Art. 12 MAR? (3) Wie kommuniziert der Emittent ohne unzulässige Offenlegung von Insiderinformationen?
Rechtsgrundlagen:
- Art. 12, 17 MAR: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014R0596
- Art. 20 MAR (Anlageempfehlungen): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014R0596
- § 119 WpHG (Marktmanipulation): https://www.gesetze-im-internet.de/wphg/__119.html
- BaFin-Emittentenleitfaden: https://www.bafin.de/dok/8252648
Ziel dieses Skills
Steuert die unmittelbare Compliance-Reaktion auf einen Short-Seller-Bericht und koordiniert die Kommunikation mit der BaFin.
Arbeitsprogramm
Schritt 1 – Sofortbewertung (0–2 Stunden)
- Inhalt des Berichts: Welche konkreten Vorwürfe werden erhoben?
- Sind die Vorwürfe öffentlich bekannte Informationen oder neue Behauptungen?
- Kursbewegung: Wie stark ist die Reaktion des Marktes?
- Handelsaussetzung prüfen: Ist eine Aussetzung notwendig?
Schritt 2 – Ad-hoc-Pflicht-Prüfung
- Enthält der Short-Seller-Bericht wesentlich neue Tatsachenbehauptungen?
- Hat der Emittent diese Informationen schon als Insiderinformation identifiziert?
- Wenn ja und Aufschub lief: Ist der Aufschub jetzt zu beenden?
- Wenn die Behauptungen falsch sind: Ad-hoc-Pflicht zur Richtigstellung nach Art. 17 MAR
Schritt 3 – Grenzen der Reaktion
- Emittent darf nur auf Basis öffentlicher Informationen reagieren
- Kein Dementieren von Fakten, die Insiderinformationen sind (würde unzulässige Offenlegung bedeuten oder den Aufschub gefährden)
- Zulässig: Hinweis auf fehlerhafte Methodik, fehlende Kontext-Information
Schritt 4 – BaFin-Kommunikation
- Proaktive Kontaktaufnahme mit BaFin (Marktüberwachung)
- Mitteilen: Short-Seller-Bericht, Kursbewegung, interne Einschätzung der Vorwürfe
- BaFin kann eigenständige Marktmanipulationsuntersuchung gegen Short Seller einleiten (Art. 12 MAR, § 119 WpHG)
Schritt 5 – Marktmanipulationsanzeige gegen Short Seller
- Prüfung: Enthält der Bericht falsche Informationen, die den Kurs beeinflussen sollen? (Art. 12 Abs. 1 lit. c MAR: Verbreitung falscher oder irreführender Informationen)
- Wenn ja: Anzeige bei BaFin und Staatsanwaltschaft erwägen
- Dokumentation: Short-Seller-Bericht sichern, Kursverlauf dokumentieren
Weitere Hinweise
Die BaFin unterscheidet zwischen legitimer kritischer Analyse (Meinungsfreiheit, Art. 20 MAR für Anlageempfehlungen) und der Verbreitung wissentlich falscher Tatsachenbehauptungen (Art. 12 Abs. 1 lit. c MAR). Kurse beeinflussende Short-Seller-Berichte auf Basis eigener Research-Arbeit sind grundsätzlich zulässig; Berichte mit erfundenen Daten oder manipulierten Screenshots sind Marktmanipulation. Diese Abgrenzung ist im Einzelfall mit einer auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei zu analysieren.
Weitere Quellen: