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Widerspruchsschrift

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Wenn es um Widerspruchsschrift nach Paragrafen 68 ff in Fachanwalt Verwaltungsrecht geht: prüft Frist, Form, Zuständigkeit, Rechtsweg und Sofortmaßnahmen; liefert eine Fristen- und Risikoampel mit Sofortschritten.From its SKILL.md

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Widerspruchsschrift nach §§ 68 ff

Direktstart: lesen, entscheiden, liefern

Beginne nicht mit einem Fragenkatalog. Wenn Material vorliegt, lies es zuerst und starte mit einer verwertbaren Arbeitshypothese:

  • Frist oder Sofortrisiko.
  • erkannte Rolle, Zielrichtung und Verfahrensstand.
  • tragende Tatsachen aus dem Material.
  • bester nächster Arbeitsschritt mit direkt nutzbarem Output.

Frage höchstens zwei Punkte nach, und nur wenn ohne diese Antwort der nächste Schritt falsch oder riskant würde. Fehlt Material vollständig, verlange nicht allgemein alle Unterlagen, sondern nenne die drei wichtigsten Dokumente und arbeite mit sichtbaren Annahmen weiter.

Starte mit einem Arbeitsprodukt, nicht mit einer Inventarliste: Kurzvermerk, Fristenblatt, Prüfmatrix, Entwurf, Fragenliste oder Entscheidungsvorschlag. Routing ist nur Mittel zum Zweck. Wenn ein Fachskill eindeutig passt, arbeite unmittelbar in dessen Richtung weiter.

Arbeitsmodus: Liefere zuerst einen nutzbaren Zwischenstand in höchstens sieben Sätzen und dann den nächsten konkreten Schritt. Frage nur nach, wenn Frist, Zuständigkeit, Beweis, Betrag oder Rechtsfolge sonst nicht belastbar bestimmbar sind. Tabellen nur für Fristen, Belege, Beträge, Varianten oder Streitstoff.

Arbeitsweg

  • Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
  • Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
  • Tragende Normen verifizieren: VwGO; VwVfG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
  • Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
  • Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

Fokus: Widerspruchsschrift nach §§ 68 ff. VwGO gegen belastenden Verwaltungsakt formulieren: Mandant hat Bescheid erhalten und will innerhalb der Frist Widerspruch einlegen. Normen: § 68 VwGO (Vorverfahren), § 70 Abs. 1 VwGO (Frist 1 Monat), § 80 Abs. 1 VwGO (aufschiebende Wirkung), § 58 Abs. 2 VwGO (Jahresfrist ohne Rechtsbehelfsbelehrung). Prüfraster: Statthaftigkeit (Bundesland?), Fristberechnung, aufschiebende Wirkung vs. sofortige Vollziehung, Begründung. Output Widerspruchsschrift. Abgrenzung: Anfechtungsklage direkt (kein Widerspruch statthaft) siehe fachanwalt-verwaltungsrecht-anfechtungsklage; Eilantrag siehe eilantrag-80-abs-5-vwgo.

Widerspruchsschrift

Kernsachverhalt

Gegen einen belastenden Verwaltungsakt ist als Vorverfahren — sofern nicht durch Bundes- oder Landesrecht ausgeschlossen — zunächst Widerspruch einzulegen. Erst nach Erlass des Widerspruchsbescheids oder Ablauf der Entscheidungsfrist ist die Anfechtungsklage zulässig. Das Widerspruchsverfahren bietet die Chance der vollständigen Überprüfung des Verwaltungsakts auf Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit und ermöglicht eine frühzeitige Einigung ohne Klageverfahren.

Kaltstart-Rückfragen

  1. Welcher Verwaltungsakt — welche Behörde, Datum, Zustellungsdatum? Ist die Rechtsbehelfsbelehrung ordnungsgemäß?
  2. Ist das Widerspruchsverfahren im Bundesland und Sachgebiet vorgesehen — oder wurde es durch Landesgesetz ausgeschlossen (§ 68 Abs. 1 Satz 2 VwGO i.V.m. Landesrecht; z.B. NRW, Bayern, Niedersachsen für bestimmte Gebiete)?
  3. Hat der Verwaltungsakt aufschiebende Wirkung — oder entfällt sie nach § 80 Abs. 2 VwGO (öffentliche Abgaben, Polizei, gesetzlicher Ausschluss, Sofortvollzug)?
  4. Welche formellen Mängel sind erkennbar — fehlende Anhörung § 28 VwVfG, mangelhafte Begründung § 39 VwVfG, Zuständigkeitsmangel?
  5. Welche materiellen Mängel bestehen — Tatbestand nicht erfüllt, Ermessensfehler §§ 40 VwVfG, 114 VwGO, Unverhältnismäßigkeit?
  6. Soll parallel Eilrechtsschutz beantragt werden — § 80 Abs. 5 VwGO bei Sofortvollzug oder § 80 Abs. 4 VwGO Antrag bei Behörde?
  7. Ist eine Hinzuziehung des Bevollmächtigten für das Vorverfahren nach Landesrecht erforderlich und kostenpflichtig?
  8. Ist ein Widerspruchsgebühr-Regime im Bundesland anwendbar — Kosten des Vorverfahrens nach VwVfG oder Landesgebührengesetz?
  • Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist für den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Rechtsgrundlagen

Normtexte (Auszüge)

§ 68 Abs. 1 VwGO — Vor Erhebung der Anfechtungsklage sind Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit des Verwaltungsakts in einem Vorverfahren nachzuprüfen. Einer solchen Nachprüfung bedarf es nicht, wenn ein Gesetz dies bestimmt oder wenn der Abhilfebescheid oder der Widerspruchsbescheid erstmalig eine Beschwer enthält.

§ 70 Abs. 1 VwGO — Der Widerspruch ist innerhalb eines Monats, nachdem der Verwaltungsakt dem Beschwerten bekanntgegeben worden ist, schriftlich, in elektronischer Form nach § 3a VwVfG oder zur Niederschrift bei der Behörde zu erheben, die den Verwaltungsakt erlassen hat.

§ 58 Abs. 2 VwGO — Ist die Rechtsbehelfsbelehrung unterblieben oder unrichtig erteilt, so ist die Einlegung des Rechtsbehelfs innerhalb eines Jahres seit Zustellung zulässig.

§ 79 Abs. 1 VwGO — Gegenstand der Anfechtungsklage ist der ursprüngliche Verwaltungsakt in der Gestalt, die er durch den Widerspruchsbescheid gefunden hat.

§ 28 Abs. 1 VwVfG — Bevor ein Verwaltungsakt erlassen wird, der in Rechte eines Beteiligten eingreift, ist diesem Gelegenheit zu geben, sich zu den für die Entscheidung erheblichen Tatsachen zu äußern.

§ 39 Abs. 1 VwVfG — Ein schriftlicher oder elektronischer sowie ein schriftlich oder elektronisch bestätigter Verwaltungsakt ist mit einer Begründung zu versehen.

§ 40 VwVfG — Ist die Behörde ermächtigt, nach ihrem Ermessen zu handeln, hat sie ihr Ermessen entsprechend dem Zweck der Ermächtigung auszuüben und die gesetzlichen Grenzen des Ermessens einzuhalten.

§ 45 Abs. 1 Nr. 3 VwVfG — Eine Verletzung von Verfahrens- oder Formvorschriften, die nicht den Verwaltungsakt nach § 44 nichtig macht, ist unbeachtlich, wenn … die erforderliche Begründung nachträglich gegeben wird; dies gilt auch nach § 28 (Anhörung).

§ 45 Abs. 2 VwVfG — Handlungen nach Absatz 1 können bis zum Abschluss der letzten Tatsacheninstanz eines verwaltungsgerichtlichen Verfahrens nachgeholt werden.

§ 114 VwGO — Soweit die Verwaltungsbehörde ermächtigt ist, nach ihrem Ermessen zu handeln, prüft das Gericht auch, ob der Verwaltungsakt rechtswidrig ist, weil die gesetzlichen Grenzen des Ermessens überschritten sind oder von dem Ermessen in einer dem Zweck der Ermächtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht ist.

Leitentscheidungen

GerichtAktenzeichenDatumLeitsatz

Prüfschema Widerspruch

Vorab: Der untenstehende ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.

SchrittPrüfungspunktNormInhalt
1Statthaftigkeit Widerspruchsverfahren§ 68 VwGO + LandesrechtNicht ausgeschlossen durch Landes- oder Bundesrecht?
2Klagebefugnis analog§ 42 Abs. 2 VwGOAdressat oder Drittbetroffener mit möglicher Rechtsverletzung
3Widerspruchsfrist§ 70 Abs. 1 VwGO1 Monat ab Bekanntgabe; § 58 Abs. 2: 1 Jahr bei Belehrungsfehler
4Form des Widerspruchs§ 70 Abs. 1 VwGOSchriftlich, elektronisch oder zur Niederschrift
5Zuständige Ausgangsbehörde§ 70 VwGOWiderspruch an Behörde, die VA erlassen hat
6Aufschiebende Wirkung§ 80 Abs. 1 VwGOBesteht sie? Entfällt nach § 80 Abs. 2 VwGO?
7Formelle Rechtmäßigkeit des VA§§ 28, 39 VwVfGAnhörung, Begründung, Zuständigkeit, Form
8Heilbarkeit formeller Fehler§ 45 VwVfGNachholbarkeit bis Abschluss Widerspruchsverfahren; Gefahr der Heilung
9Materielle RechtmäßigkeitSpezialgesetze + BGB/VwVfGTatbestand der Ermächtigungsgrundlage erfüllt?
10Ermessen§§ 40 VwVfG, 114 VwGONichtgebrauch, Überschreitung, Fehlgebrauch
11VerhältnismäßigkeitArt. 20 GGGeeignet, erforderlich, angemessen
12Zweckmäßigkeit§ 68 VwGOWiderspruchsverfahren prüft auch Zweckmäßigkeit — Ermessen vollständig überprüfbar
13Widerspruchsbehörde zuständig§ 73 VwGOOber- oder Aufsichtsbehörde? Oder Ausgangsbehörde selbst?
14Hinzuziehungsantrag§§ 80 VwVfG, LandesrechtNotwendigkeit des Bevollmächtigten; Kostenfolge
15Eilrechtsschutz parallel§§ 80 Abs. 4, 80 Abs. 5 VwGOAntrag bei Behörde oder VG

Beweislast

BeweisthemaBeweislastträgerBeweismittel
Rechtmäßigkeit des VerwaltungsaktsBehörde (trägt Beweislast für anspruchsbegründende Tatsachen)Verwaltungsakte, Gutachten, Stellungnahmen
Fehlende Anhörung § 28 VwVfGWiderspruchsführer (Rügeobliegenheit)Akte, eigene Erklärung
Mangelhafte Begründung § 39 VwVfGWiderspruchsführer (aus dem Bescheid ersichtlich)Bescheid selbst
ErmessensfehlerWiderspruchsführer (Rüge) / Behörde (Entlastung)Begründung des VA, Verwaltungsvorgang
VerhältnismäßigkeitWiderspruchsführer (milderes Mittel behaupten)Sachverständige, eigene Berechnung
Fristversäumnis bei falscher BelehrungBehörde (muss ordnungsgemäße Belehrung nachweisen)Zustellungsurkunde, Bescheid

Fristen und Verjährung

FristGrundlageLaufHinweis
Widerspruchsfrist§ 70 Abs. 1 VwGO1 Monat ab BekanntgabeBekanntgabe ≠ Zustellung; ggf. Dreitagesfiktion § 41 Abs. 2 VwVfG
Verlängerte Widerspruchsfrist§ 58 Abs. 2 VwGO1 Jahr bei fehlerhafter oder fehlender BelehrungGilt auch bei fehlendem Hinweis auf Adresse der Behörde
Klage nach Widerspruch§ 74 VwGO1 Monat ab Zustellung WiderspruchsbescheidBei Untätigkeit: 3 Monate nach Einlegung Widerspruch → Untätigkeitsklage § 75 VwGO
Untätigkeitsklage§ 75 VwGO3 Monate nach Einlegung WiderspruchBei Fristversäumnis kein Rechtsverlust, aber beachten
Heilung formeller Fehler§ 45 Abs. 2 VwVfGBis Abschluss letzter TatsacheninstanzBehörde kann Anhörung und Begründung nachreichen
Verjährung materieller Schadensersatz§ 195 BGB3 Jahre ab KenntnisParallelansprüche aus § 839 BGB i.V.m. Art. 34 GG

Typische Gegenargumente

Gegenargument der BehördeGegenstrategie
"Anhörungsmangel geheilt — Widerspruch ist Nachholung"§ 45 Abs. 1 Nr. 3 VwVfG: Heilung nur durch eigenständige, nicht nur pro forma erfolgte Anhörung; bloße Übersendung des Bescheids genügt nicht
"Widerspruchsverfahren ausgeschlossen"Landespezifische Ausnahmen genau prüfen; bei Ausschluss nur in bestimmten Sachgebieten prüfen ob hier ein solches vorliegt

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu prüfen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

KonstellationEmpfohlener Weg
Standard — Widerspruch gegen Verwaltungsakt einlegenWiderspruchsschrift nach Prüfschema; Template unten
Variante A — Widerspruchsverfahren nicht Pflicht direkter KlagewegKlagefrist prüfen; ggf. direkt Anfechtungsklage ohne Widerspruch
Variante B — Mandant will Widerspruch nur zur FristwahrungKurzwiderspruch ohne Begruendung zuerst; Begruendung nachreichen
Variante C — Behörde zeigt KooperationsbereitschaftInformelles Gespraech vor Widerspruch; Widerspruch als letzte Option

Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.

Schriftsatzbausteine

Baustein 1: Vollständige Widerspruchsschrift

[Kanzlei]
[Anschrift]
[Datum]

An die [Ausgangsbehörde]
[Anschrift]
Aktenzeichen der Behörde: [Az.]

Widerspruch nach § 68 VwGO

In der Verwaltungssache
des [Vorname Name]
[Anschrift]
— Widerspruchsführer —

Verfahrensbevollmächtigte: Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [Kanzlei]

gegen

den Bescheid der [Behörde] vom [Datum], Aktenzeichen [Az.],
zugestellt am [Datum]

legen wir namens und in Vollmacht des Widerspruchsführers

Widerspruch

ein und beantragen:

1. Den Bescheid vom [Datum] aufzuheben.

2. [Hilfsweise: Bescheid mit folgendem Inhalt zu erlassen: ...]

3. Die Hinzuziehung des Bevollmächtigten für das Vorverfahren
 gemäß § 80 Abs. 2 VwVfG für notwendig zu erklären.

Begründung

I. Zulässigkeit
Der Widerspruch ist nach § 68 VwGO statthaft. Das
Widerspruchsverfahren ist im Land [X] im Sachgebiet [Y]
nicht ausgeschlossen. Der Bescheid wurde dem Widerspruchsführer
am [Datum] zugestellt. Die Widerspruchsfrist von einem Monat
(§ 70 Abs. 1 VwGO) ist daher bis zum [Datum] gewahrt.

II. Formelle Rechtswidrigkeit

1. Anhörungsmangel § 28 VwVfG
Vor Erlass des Bescheids wurde dem Widerspruchsführer keine
Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Der Widerspruchsführer
hat zu keinem Zeitpunkt eine Anhörungsmitteilung erhalten.
Der Mangel ist beachtlich.

2. Begründungsmangel § 39 VwVfG
Der Bescheid enthält keine ausreichende rechtliche Begründung.
Die Behörde beschränkt sich auf den Hinweis, [Zitat]. Eine
Auseinandersetzung mit den konkreten Umständen des Einzelfalls
fehlt.

III. Materielle Rechtswidrigkeit

1. Tatbestand nicht erfüllt
Die Voraussetzungen des § [X Spezialgesetz] liegen nicht vor.
Die Behörde geht davon aus, dass [Sachverhaltsbehauptung Behörde].
Tatsächlich ist jedoch [zutreffender Sachverhalt]. Dies belegen
[Anlage X].

2. Ermessensfehler § 40 VwVfG / § 114 VwGO
Soweit der Bescheid auf Ermessen gestützt ist, wurde es nicht
oder fehlerhaft ausgeübt:
a) Ermessensnichtgebrauch: aus der Begründung ergibt sich, dass
 die Behörde keine Ermessenserwägungen angestellt hat.
b) Ermessensfehlgebrauch: relevante Belange wie [Belang] wurden
 nicht berücksichtigt.

3. Unverhältnismäßigkeit
Der Eingriff ist nicht verhältnismäßig:
— Geeignetheit: [ggf. bestreiten].
— Erforderlichkeit: Das mildere Mittel [Bezeichnung] wäre ebenso
 wirksam und weniger belastend.
— Angemessenheit: die Schwere des Eingriffs [Beschreibung] überwiegt
 das verfolgte Ziel.

IV. Eilrechtsschutz
Parallel hierzu wird beim Verwaltungsgericht [Ort] ein Antrag nach
§ 80 Abs. 5 VwGO eingereicht, da die sofortige Vollziehung die
[Existenz / wirtschaftliche Grundlage] des Widerspruchsführers
gefährdet.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Anlagen:
- Bescheid (Anlage W1)
- Vollmacht (Anlage W2)
- Belege Sachverhalt (Anlagen W3 ff.)

Baustein 2: Widerspruch mit Sofortvollzug-Antrag § 80 Abs. 4 VwGO

An die [Ausgangsbehörde]

Widerspruch und Antrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehung

I. Widerspruch
[wie Baustein 1]

II. Antrag nach § 80 Abs. 4 VwGO
Wir beantragen zugleich gemäß § 80 Abs. 4 VwGO, die Vollziehung
des angefochtenen Bescheids auszusetzen.

Die sofortige Vollziehung würde [konkrete Folgen schildern].
Angesichts der dargelegten erheblichen Erfolgsaussichten des
Widerspruchs und der schwerwiegenden Konsequenzen der sofortigen
Vollziehung überwiegt das Aussetzungsinteresse des
Widerspruchsführers.

Sollte die Behörde dem Antrag nicht innerhalb von [5] Werktagen
stattgeben, wird der Widerspruchsführer das Verwaltungsgericht
anrufen (§ 80 Abs. 5 VwGO).

Baustein 3: Taktischer Hinweis-Schriftsatz bei drohender Heilung

An die [Ausgangsbehörde]

Stellungnahme zur nachgeholten Anhörung

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir nehmen Stellung zu Ihrem Schreiben vom [Datum], mit dem Sie
nach Einlegung des Widerspruchs eine Anhörung nachgeholt haben.

1. Wir machen geltend, dass die nachgeholte Anhörung die formelle
 Rechtswidrigkeit des Bescheids im Kern nicht beseitigt, da
 [Begründung: z.B. Ermessenserwägungen grundlegend neu bewertet
 werden müssten / Sachverhalt nicht hinreichend aufgeklärt].

2. Wir halten an dem Widerspruch vollumfänglich fest.

3. Unabhängig von der Frage der Heilung bleibt der Bescheid aus
 den materiellen Gründen (s.o.) rechtswidrig.

--- vor Versand klären ---

  1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Durchsetzung des Anspruchs / Vergleich / Reputationsschutz / schnelle Loesung]
  2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestforderung / Zeitrahmen / Formerfordernis]
  3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgesprach / Einigung vor Fristablauf]

Schlussabsatz Variante A (kooperativ): Wir regen eine guetliche Einigung an und stehen für ein klärenden Gesprach zur Verfuegung. Eine einvernehmliche Loesung erspart beiden Seiten Zeit und Kosten.

Schlussabsatz Variante B (formal-streng): Eine aussergerichtliche Einigung kommt nur in Betracht wenn die Gegenseite innerhalb von [X] Tagen einen akzeptablen Vorschlag unterbreitet. Anderenfalls werden wir alle rechtlichen Schritte einleiten.

Streitwert und Kosten

PositionBerechnungHinweis
Streitwert Widerspruchsverfahren§ 52 GKG; Auffangwert EUR 5.000; bei beziffertem Anspruch der AnspruchsbetragFür Kostenerstattung aus § 80 VwVfG relevant
Gebühr WiderspruchsverfahrenLandesgebührenrecht; meist EUR 50–500 bei Abweisung; keine Gebühr bei AbhilfeWenn Widerspruch Erfolg hat: Erstattung der anwaltlichen Kosten
Hinzuziehungsantrag§ 80 VwVfG; notwendig wenn Sach- und Rechtslage komplexOhne Antrag kein Kostenerstattungsanspruch
AnwaltsvergütungRVG Nr. 2300 VV (Geschäftsgebühr); 1,3 bis 2,5-fach je nach SchwierigkeitErstattungsfähig bei Obsiegen
Kosten Klageverfahren danachGKG Anlage 1; plus RVG-GebührenWiderspruchsverfahren als Sachurteilsvoraussetzung unerlässlich

Strategische Empfehlung

SituationEmpfehlung
Frist fast abgelaufenWiderspruch ohne Begründung einlegen; Begründung nachreichen; Fristwahrung hat Vorrang
Anhörungsmangel erkanntRügen aber beachten: Behörde kann nachholen → eigene Einwendungen früh substanziieren
Sofortvollzug angeordnet§ 80 Abs. 4 VwGO-Antrag bei Behörde + § 80 Abs. 5 VwGO parallel VG
Ermessensfehler eindeutigSubstanziierte Rüge; keine allgemeine Formulierung; konkrete Erwägungen als fehlend bezeichnen
Widerspruchsverfahren ausgeschlossenUnmittelbar Klage erheben; Frist § 74 VwGO einhalten
Chance auf Abhilfe hochFrühe Kontaktaufnahme mit Sachbearbeiter; einvernehmliche Lösung suchen; spart Kosten

Anschluss-Skills

  • fachanwalt-verwaltungsrecht-einstweiliger-rechtsschutz — Eilrechtsschutz parallel zum Widerspruch
  • eilantrag-80-abs-5-vwgo — Vertiefung Schriftsatz § 80 Abs. 5 VwGO
  • energieanlagen-bimschg-genehmigung-verfahren — Widerspruch gegen BImSchG-Bescheid
  • energietrassen-planfeststellung-rechtsschutz — Einwendungen im Planfeststellungsverfahren

Quellen

  • VwGO §§ 42, 58, 68–79, 80, 113, 114
  • VwVfG §§ 28, 35, 39, 40, 41, 43, 44, 45, 80
  • GKG § 52
  • RVG Nr. 2300 VV
  • Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen zitieren. Literatur nur nutzen, wenn der Nutzer die Quelle bereitstellt oder ein lizenzierter Live-Zugriff sie verifiziert.

Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.

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