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Wenn es um Strafrecht Spezial Btmg Strafverfahren Praxis in Fachanwalt Strafrecht geht: prüft Frist, Form, Zuständigkeit, Rechtsweg und Sofortmaßnahmen; liefert eine Fristen- und Risikoampel mit Sofortschritten.From its SKILL.md

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SKILL.md

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BtMG-Verteidigungspraxis: Verdacht, Durchsuchung, Sicherstellung, Untersuchungshaft, V-Personen, Telekommunikationsueberwachung

Arbeitsweg

  • Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
  • Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
  • Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
  • Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
  • Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.

Fokus: BtMG-Verteidigungspraxis: Verdacht, Durchsuchung, Sicherstellung, Untersuchungshaft, V-Personen, Telekommunikationsueberwachung. Checkliste für Strafverteidiger im BtMG-Verfahren von der ersten Maßnahme bis zur Hauptverhandlung.

BtMG-Strafverfahren: Verteidigungspraxis

Worum geht es

Das BtMG-Verfahren hat eigene Eigenarten: hohe Bedeutung verdeckter Ermittlungen (V-Personen, TKUE, Observation), aufwaendige Sicherstellungs- und Analytik-Praxis, regelmaessig Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr und Wiederholungsgefahr (§ 112 Abs. 2, Abs. 3 StPO), enge Verbindung zur OK-Verfahrenspraxis.

Dieser Skill ist Checkliste für Strafverteidiger in BtMG-Verfahren — von der ersten Polizeikontaktnahme bis zur Hauptverhandlung.

Tatbestand und Stoffliche Erfassung

(Der Skill ist nicht stoff-, sondern verfahrensorientiert. Stoffliche Erfassung siehe Schwester-Skills.)

Anwendungsbereich: alle Verfahren wegen §§ 29 bis 30a BtMG, §§ 34, 35 KCanG, § 4 NpSG.

Mengen und Schwellen

(Verfahrensschwellen statt Stoffschwellen.)

MaßnahmeVoraussetzungNorm
DurchsuchungAnfangsverdacht, richterliche Anordnung§ 102, § 105 StPO
Vorlaeufige FestnahmeFestnahmegrund § 127 StPO§ 127 StPO
Untersuchungshaftdringender Tatverdacht, Haftgrund§ 112 StPO
TKUEKatalogtat erforderlich§ 100a StPO
Online-DurchsuchungSchwere Straftat Katalog§ 100b StPO
V-Person-Einsatzerhebliche Bedeutung Tat§ 110a StPO
Wohnraum-Ueberwachungbesonders schwere Straftat§ 100c StPO

Praktikertipps der Verteidigung

Phase 1 — Erste Maßnahme

  1. Durchsuchung: Anordnungsbeschluss verlangen (§ 105 StPO). Bei Gefahr im Verzug Begruendung dokumentieren. Belehrung als Beschuldigter (§ 136 StPO)?
  2. Identitaetsfeststellung: Mandant identifiziert sich, aber sagt zur Sache nichts. Keine erkennungsdienstliche Behandlung ohne Anordnung.
  3. Schweigen: Beim ersten Kontakt regelmaessig schweigen. Anwalt einschalten — auch im Polizeigewahrsam.
  4. Sicherstellung: Quittung verlangen. Probennahme protokollieren lassen. Zeugen benennen.

Phase 2 — Akteneinsicht

  1. Akteneinsicht beantragen: § 147 StPO. Auch in technische Aufzeichnungen (TKUE-Protokolle, V-Personen-Akten).
  2. Wirkstoffgutachten anfordern: Probennahmeprotokoll, Eichschein der Waage, Laborakkreditierung prüfen.
  3. TKUE-Prüfung: Anordnungsbeschluss, Verlaengerungen, Kreis der Beteiligten, Verwertbarkeit nach § 100a Abs. 4 StPO (Kernbereich).
  4. V-Person-Akte: Identitaet bleibt regelmaessig anonym; aber Glaubwuerdigkeit, Vorstrafen, Vergueteung müssen offengelegt werden (BGH staendige Rspr.; verifizieren).

Phase 3 — Untersuchungshaft

  1. Haftpruefung: § 117 StPO Antrag. Fluchtgefahr begruendet? Wiederholungsgefahr § 112 Abs. 3 StPO (bei § 29a, § 30, § 30a BtMG vermutet, aber widerlegbar).
  2. Verhältnismäßigkeit: Sechs-Monats-Frist § 121 StPO. Verlaengerung nur durch OLG.
  3. Haftbeschwerde: § 304 StPO; Detail-Skill fachanwalt-strafrecht-untersuchungshaft-haftpruefung.

Phase 4 — Vorbereitung Hauptverhandlung

  1. Beweisantraege: § 244 StPO. Stoffanalysen-Gegengutachten, Zeugen, V-Personen-Aussage (zumindest Sperrerklaerung prüfen).
  2. Einlassungs-Vorbereitung: Schweigen oder Gestaendnis? § 31 BtMG Aufklaerungshilfe? Verstaendigung § 257c StPO?
  3. Therapie-Anbahnung: § 35 BtMG vorbereiten — Therapieplatz, Suchtgutachten, Krankenversicherung.

Phase 5 — Hauptverhandlung

  1. Strafzumessung vortragen: Mengenfrage, Wirkstoffgehalt, individueller Tatbeitrag, Aufklaerungshilfe, eigene Sucht, Vorstrafenstand.
  2. Schlussvortrag: Verteidigerplaedoyer; Detail-Skill plaedoyer-vorbereitung-strafverteidigung.

Trade-off-Matrix

StrategieVorteilNachteil
Aktives BestreitenHauptverhandlung mit voller StreitlustBei klarer Beweislage Strafschaerfung
Schweigen + DefensivVerteidigungsoptionen offenKeine Aufklaerungshilfe-Bonifizierung
Frueh § 31 BtMGStrafrahmenverschiebungBelastung Mitbeschuldigter
§ 257c StPO VerstaendigungPlanbare StrafeBindungswirkung, eingeschraenkte Revision

Konkurrenzen

(Verfahrensbezogen — Konkurrenzen siehe stoffbezogene Skills.)

Strafzumessung und Therapie statt Strafe

  • Strafzumessungsdaten im Verlauf des Verfahrens sammeln: Suchtbiografie, Therapiebereitschaft, soziales Umfeld, berufliche Perspektive.
  • Therapieplatz vor Hauptverhandlung organisieren — beeinflusst Strafzumessung und § 35 BtMG.
  • Aufklaerungshilfe nur nach reiflicher Beratung.

Mustertexte

Antrag Akteneinsicht TKUE-Protokolle: "In dem Verfahren gegen meinen Mandanten beantrage ich Akteneinsicht in

  1. die TKUE-Anordnungsbeschluesse einschliesslich Verlaengerungen
  2. die vollstaendigen TKUE-Protokolle (Wortprotokolle, Zusammenfassungen)
  3. die Mitteilungen über die Maßnahmen nach § 101 Abs. 4 StPO
  4. die Akte zum V-Personen-Einsatz mit Sperrerklaerung gemäß § 96 StPO."

Haftpruefungsantrag: "In der Strafsache gegen meinen Mandanten beantrage ich Haftpruefung gemäß § 117 StPO. Es fehlt am Haftgrund: Fluchtgefahr besteht nicht (Wohnsitz, Familie, Arbeit in Deutschland, Beschaffung Reisepass schwierig). Die Wiederholungsgefahr nach § 112 Abs. 3 StPO ist widerlegt durch [konkrete Umstaende: Therapieantritt, Wohnumfeld, soziales Netz]."

Quellen Stand 06/2026

  • §§ 102 ff. StPO Durchsuchung.
  • § 112 StPO Untersuchungshaft (mit Sonderhaftgrund § 112 Abs. 3 StPO bei § 29a, § 30, § 30a BtMG).
  • §§ 100a, 100b, 100c, 110a StPO verdeckte Maßnahmen.
  • § 147 StPO Akteneinsicht.
  • § 244 StPO Beweisantraege.
  • § 257c StPO Verstaendigung.
  • BGH staendige Rspr. zur Verwertbarkeit V-Personen-Aussagen, Anonymisierung (§§ 68, 110a ff. StPO; BGH-Linie verifizieren).
  • BVerfG zur Kernbereichsschutz bei TKUE (BVerfG, BVerfG-Linie verifizieren).
  • Methodik siehe references/methodik-buergerliches-recht.md.
  • Zitierregeln siehe references/zitierweise.md.

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