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Public ma kapitalmarkt mar

Skill Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht/corporate-kanzlei/skills/public-ma-kapitalmarkt-mar

Wenn es um Public M&A und Kapitalmarkt / MAR in Corporate-Kanzlei geht: prüft Frist, Form, Zuständigkeit, Rechtsweg und Sofortmaßnahmen; liefert eine Fristen- und Risikoampel mit Sofortschritten. Auswahlstichwort: Public M&A Kapitalmarkt Mar; Arbeitsfeld: Corporate-Kanzlei.From its SKILL.md

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Public M&A und Kapitalmarkt / MAR

Fachlicher Anker

  • Normen: §§ 3, §§ 76, §§ 105.
  • Entscheidungs-/Quellenanker: Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen.
  • Quellenhygiene: references/quellenhygiene.md und references/zitierweise.md beachten.

Triage — klaere vor Beginn

  1. Zielgesellschaft boesennotiert (Regulierter Markt, Scale, Freiverkehr)?
  2. Art des Angebots: freiwilliges Angebot, Pflichtangebot (§§ 29 ff. WpUeG) oder Squeeze-Out?
  3. Kontrollschwelle: Wurde oder wird 30 % Stimmrechtsanteil erreicht?
  4. Aktuelle Beteiligungsquote des Bieters / beabsichtigte Ziel-Quote?
  5. Insiderhandels-/Ad-hoc-Analyse: Kursrelevante Information vorhanden?
  6. BaFin-Voranmeldung und Angebotsdokument: Timeline?
  7. Fairness Opinion / Unabhaengiger Gutachter für Angemessenheits-Prüfung erforderlich?
  • Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist für den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Zentrale Normen

  • §§ 1-68 WpUeG — Wertpapieruebernahmegesetz; freiwillige und Pflicht-Angebote; Angebotsunterlagen; BaFin-Prüfung
  • §§ 29-39 WpUeG — Pflichtangebot ab 30 % Stimmrechtsanteil; Mindestpreisregel; 3 Monate Referenzperiode
  • §§ 39a-c WpUeG — Squeeze-Out nach Uebernahme; Ausschluss Minderheit; Gerichtliches Spruchverfahren
  • §§ 327a-f AktG — aktienrechtlicher Squeeze-Out; Hauptgesellschafter 95 %; angemessene Barabfindung; Spruchverfahren
  • §§ 33 ff. WpHG — Stimmrechtsmitteilungen; Schwellenwerte 5, 10, 15, 20, 25, 30, 50, 75 %
  • Art. 17 MAR — Ad-hoc-Publizität; unverzüglich; Aufschub möglich (Insider-Liste), nationale Sanktionen nach WpHG
  • Art. 14-16 MAR — Insiderhandelsverbot; Marktmanipulation
  • § 39 BoeRsG / DelistingVO — Delisting; Pflichtangebot und Mindestpreis auch beim Rueckzug

Aktuelle Rechtsprechung

  • BaFin, Bescheid vom 27.01.2023 (veroeffentl. BaFin-Jahresbericht 2023) — Pflichtangebot: Erwerb von Stimmrechten durch Konsortium als gemeinsam handelnde Person iSd § 2 V WpUeG; Zusammenrechnung der Anteile

Prozessablauf: Oeffentliches Uebernahmeangebot (WpUeG)

PhaseInhaltNormFrist
1Voranmeldung (obligatorisch)§ 10 WpUeGUnverzueglich nach Entscheidung
2Angebotsunterlage erstellen§§ 11-14 WpUeGInnerhalb 4 Wochen nach Voranmeldung
3BaFin-Einreichung und -Prüfung§ 14 WpUeGBaFin: 10 Werktage Prüfung
4Veroeffentlichung Angebot§ 14 WpUeGUnverzueglich nach BaFin-Freigabe
5Annahmefrist§ 16 WpUeGMindestens 4 Wochen; max. 10 Wochen
6Weitere Annahmefrist§ 16 II WpUeG2 Wochen nach Vollzug
7Vollzug§ 23 WpUeGVeroeffentlichung Ergebnis; Kaufpreis-Zahlung
8Squeeze-Out (falls 95 %)§§ 39a-c WpUeGAntrag beim Landgericht

Pflichtangebot: Mindestpreis-Regelung (§ 31 WpUeG)

  • Mindestpreis = hoeher von: (a) volumengewichteter Durchschnittskurs der letzten 3 Monate und (b) hoechster Preis, den Bieter in letzten 6 Monaten gezahlt hat
  • BaFin prüft Berechnung und veroeffentlicht Mindestpreis
  • Fairness Opinion nicht gesetzlich vorgeschrieben aber Marktpraxis bei grosseren Deals

Squeeze-Out: §§ 327a-f AktG vs. §§ 39a-c WpUeG

MerkmalAktG §§ 327a-fWpUeG §§ 39a-c
Schwelle95 % Grundkapital und Stimmrechte90 % Stimmrechte nach Uebernahme
BeschlussHV-Beschluss erforderlichGerichtliches Verfahren
AbfindungBarabfindung; IDW S1-PrüfungMindestpreis aus Angebot (wenn angemessen)
SpruchverfahrenSpruchGSpruchG
BekaempfbarkeitAnfechtungsklage; dann FreigabeverfahrenGeringere Anfechtbarkeit

Ad-hoc-Publizitaet: MAR-Analyse (Art. 17 MAR)

Im Public M&A ist jede kursrelevante Information potenzielle Ad-hoc. Kursrelevant ist Information, wenn ein verstaendiger Anleger sie bei seiner Investitionsentscheidung beruecksichtigen wuerde.

Aufschub (Art. 17 IV MAR): Emittent kann Veroeffentlichung zulässig aufzuschieben, wenn:

  • Unverzuegliche Offenlegung berechtigte Interessen schaedigt (z.B. laufende Verhandlungen)
  • Kein Irrefuehrungs-Risiko
  • Geheimhaltung sichergestellt (Insider-Liste gepflegt)

Beim Signing des SPA: Pflicht zur sofortigen Ad-hoc-Meldung (kein Aufschub mehr möglich).

Schritt-für-Schritt-Workflow

Vorab: Der untenstehende ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.

  1. Strukturanalyse — Kontrollschwelle, Stimmrechtsanteile; Pflichtangebot-Pflicht abchecken
  2. Insider-Management — Insider-Liste anlegen; Kommunikations-Protokoll; Marktmissbrauchs-Risiko
  3. Angebotsstruktur festlegen — Gegenleistung (Cash, Aktien, Mix); Angebotspreis; Mindestannahme-Quote
  4. Voranmeldung BaFin — § 10 WpUeG; unverzueglich nach Vorstandsentscheidung
  5. Angebotsunterlage — nach §§ 11-14 WpUeG; BaFin-Muster; Fairness Opinion beschaffen
  6. Gegengesellschaft-Statement — Zielgesellschaft muss binnen 2 Wochen Stellungnahme abgeben (§ 27 WpUeG)
  7. BaFin-Prüfung — Kooperation; Rueckfragen beantworten; ggf. Nachbesserung
  8. Veroeffentlichung und Annahmefrist — Boersenbekanntmachung; Aktionaer-Information
  9. Ergebnis-Veroeffentlichung — Annahmequote; Vollzug; Weitere Annahmefrist
  10. Squeeze-Out-Analyse — wenn >90 % (WpUeG) oder >95 % (AktG): Ausschluss-Verfahren einleiten

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu prüfen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

KonstellationEmpfohlener Weg
Standard — öffentliches Uebernahmeangebot nach WpUeGProzessablauf und Ad-hoc-Meldung nach Template unten
Variante A — Pflichtangebot ausgeloest (30-Prozent-Schwelle)Mindestpreisberechnung § 31 WpUeG priorisieren
Variante B — feindliche UebernahmeAbwehrmassnahmen (Poison Pill etc.) evaluieren
Variante C — MAR-Insiderkontrolle vorrangigAd-hoc-Pflicht zeitlich sichern; Insiderlisten anlegen

Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.

Output-Template Ad-hoc-Meldung (Auszug)

Adressat: Kapitalmarkt / BaFin / Boersenpublikum — Tonfall kurz, kursrelevant

AD-HOC-MITTEILUNG
gemaess Art. 17 MAR

[EMITTENT]
[SITZ]
[WKN / ISIN]

[DATUM], [UHRZEIT]

[FIRMA] hat heute einen Share Purchase Agreement ueber den Erwerb von [X] % der Anteile
an [ZIELGESELLSCHAFT] unterzeichnet. Das Transaktionsvolumen betraegt ca. [EUR].
Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der fusionskontrollrechtlichen Freigabe und
weiterer ueblicher Vollzugsbedingungen. Der Vollzug wird für [QUARTAL] erwartet.

[FIRMA]
[KONTAKT]

--- vor Versand klären ---

  1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
  2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
  3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]

Rote Schwellen

  • Pflichtangebot-Schwelle (30 %) ueberschritten ohne Veroeffentlichung → WpUeG-Verstos; BaFin-Maßnahmen
  • Ad-hoc-Meldung verzoegert nach Signing → Art. 17 MAR; Bussgeld bis 15 Mio. EUR oder 2.5 % Weltumsatz
  • Insider-Liste unvollstaendig → Art. 18 MAR; Compliance-Risiko bei Insiderhandel-Vorwurf
  • Squeeze-Out-Abfindung unangemessen → Spruchverfahren; Nachbesserungspflicht
  • Voranmeldung vergessen (§ 10 WpUeG) → BaFin-Bussgeld; Verfahren unterbrochen

Vertiefung: Delisting-Linie Macrotron/Frosta

Quellen

Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.

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